Sabine Rückert gewinnt Egon Erwin Kisch-Preis 2008
10. May 2008
Hinweis: Dies ist die leicht abgeänderte Fassung meines Gastbeitrags bei medienlese.com.
Der diesjährige 31. Egon Erwin Kisch-Preis geht an Sabine Rückert. Die Auszeichnung, die seit vier Jahren im Henri Nannen Preis aufgehoben ist, erhält sie für ihre Reportage “Wie das Böse nach Tessin kam” (erschienen am 21.06.2007 in der Zeit). Das Urteil der Jury:
“von brennender Aktualität, die Autorin beschreibt den Boden, aus dem eine gespenstisch anmutende Tat wächst; sie führt den Leser auf beklemmende Weise in die Gedankenwelt und Motivationslage eines Jugendlichen ein, der trotz fürsorglicher und bemühter Eltern aus der Realität gleitet und in einer Welt von Computer-Spielen, der Verachtung des Schwachen und Identifizierung mit dem Starken zum Killer wird”.
Tatsächlich ist Sabine Rückert eine äusserst beklemmende, schlüssige Reportage gelungen.
Sabine Rückert versucht keine Expertendiskussion darüber abzuhandeln, ob und wie Videospiele Gewalt auslösen. Sie appelliert stattdessen an den gesunden Menschenverstand: “Man braucht kein Jugendpsychiater zu sein, um die Wirkung solcher Spiele auf unausgereifte Seelen zu erfassen.”
Mit dieser Meinung ist Sabine Rückert wohl angreifbar. Ein dezidierte Stellungnahme ist aber gerade der Sinn der Reportage. Damit hat sie sich - meiner Meinung nach zurecht - gegen die drei von der Vorjury mitnominierten Texte durchgesetzt.
Namentlich sind dies Das verflixte 70. Jahr von Jürgen Leinemann, Unter Wölfen von Alexander Soltczyk und Das leben neben dem anderen von Alexander Osang.
Wenn man der Jury einen Vorwurf machen will, dann den, dass sie mit ihrem Entscheid dem Sensationshunger der Medienbranche huldige. Das stimmt insofern, als hinter “Wie das Böse nach Tessin kam” sicher die krasseste Geschichte steckt.
Aber wenn ein Fehlentscheid vorliegt, dann trifft er eher die Vorjury, die bei ihrer Auswahl aus insgesamt 12 Texten gerade die sozial engagiertesten weggelassen hat (z.B. “Sklaven in Altona” oder “Tod in Camp Delta”).
Für Stirnrunzeln sorgt in dem Zusammenhang eine Meldung in der taz, wonach in einer anderen Kategorie des Henri Nannen Preises, jenem für die beste investigative Leistung offenbar ein kritischer Beitrag von der Liste der nominierten verschwand.
Insgesamt übrigens wurden 328 Texte eingereicht (32 in Schweizer Medien) und zwar von 267 Autoren und Autorinnen (Frauen mit rund einem Drittel deutlich untervertreten). Sie erschienen in 92 Zeitungen und Zeitschriften .
Kein Chance auf einen Egon Erwin Kisch-Preis haben reine Online-Produktionen, wie man sie beispielsweise bei Soundphotographer, medialism.net oder Mediastorm findet, in denen sich das Genre der Reportage gegenwärtig weiterentwickelt. Immerhin erklärte mir die Pressestelle des Henri Nannen Preises, dass “die Öffnung der bestehenden Kategorien für ‘reine’ Online-Beiträge gegenwärtig in der Diskussion” sei.
Wir drücken die Daumen.
Gespeichert unter Auszeichnung, Die Zeit, Reportage | | 0 Kommentar
Wallraffs Brötchen
4. May 2008
Nach seinem letztjährigen Einsatz bei zwei Callcentern war Günter Wallraff im Februar 2008 wieder undercover.
“Ich gebe vor, 51 Jahre alt zu sein statt 65, und habe mir die Identität eines Freundes geliehen. Frank K. heisse ich jetzt. [...] Falsche Haare und ein dünner Oberlippenbart verjüngen mich.”
Dieses Mal geht es für das Zeit-Magazin “Leben” nach Stromberg, in die Backfabrik Weinzheimer. Dort werde unter unwürdigen Bedingungen geschuftet, hatte ein Briefschreiber Wallraff alarmiert. Weinzheimer beliefert den Discounter Lidl mit Brötchen.
Der Kunde bezahlt bei Lidl 10.5 Cent für ein Brötchen von Weinzheimer.
Der übliche Stundenlohn bei Weinzheimer beträgt 7.66 Euro brutto.
Wallraff findet eine marode Fabrikationsanlage vor, er stellt mangelnde Hygiene fest, kritisiert die prekäre Arbeitssicherheit und dokumentiert einen völlig menschenverachtenden Umgangston.
“Beim Hochstemmen der Bleche über Kopf zischt es auf der Haut meines rechten Arms, und es bilden sich dicke Brandblasen. [...] Als die stählerne Kette des Bandes plötzlich abspringt, herrscht Chaos. Die Kollegen brüllen sich an, greifen mit den Händen ins laufende Band, um die Kette wieder in die Halterung zu bringen. [...] Der Schimmel [...] blüht permanent [...] an schwer zugänglichen Stellen der Anlage rieselt er an verrotteten Eisenteilen herunter und entwickelt sich im Gärschrank.”
Wallraff stellt sich viele Fragen:
“Wie reagiert ein Betrieb, der in Deutschland produziert [angesichts der Globalisierung] auf den Kostendruck?”
“Kann es sein, dass die Arbeitsbedingungen der sogenannten Dritten Welt bereits Einzug gehalten haben in unsere ’schöne neue Arbeitswelt’?”
“Warum kaufen die Kunden diese Brötchen, die nicht gut schmecken?”
“Was treibt einen Menschen [gemeint ist Firmeninhaber Bernd Westerhorstmann], eine Firma so zu führen? [...] Welchen Teil der Schuld trägt er selbst?”
Alle diese Fragen sind berechtigt und richtig. Doch Wallraff gibt bestenfalls oberflächliche Antworten.
- Auf den Kostendruck reagiert ein Betrieb in Deutschland mit Lohndumping und Verzicht auf Investitionen. Kaum überraschend.
- Einen Vergleich mit Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt bleibt Wallraff schuldig.
- Bei den Kaufmotiven äussert Wallraff Verständnis, wenn “ein Hartz-IV-Empfänger solche Billigbrötchen kauft”. Den übrigen KäuferInnen attestiert Wallraff mangelnde Vernunft.
- Über Westerhorstmanns Motive spekulieren “einige Arbeiter”, “dass er einzig daran interessiert sei, in der Zeit bis zu seinem Ruhestand das Maximum aus dem Betrieb herauszupressen”.
Trotz lobenswertem Engagement finde ich Wallraffs Reportage enttäuschend. Was bleibt ist ein Skandal (unbestreitbar), eine Skandalisierung. Und ein Aufruf zum Boykott:
“Lidl diktiert Weinzheimer die Preise und trägt damit Verantwortung dafür, wie Menschen dort arbeiten müssen. Solange die Arbeiterrechte dort systematisch verletzt werden, sollten die Kunden Lidl und seine dürftigen Brötchen boykottieren.”
Das immerhin ist mutig. Allerdings nicht von Wallraff, sondern von der Zeit.
Und Lidl rechnet vor, dass Aldi, Penny und Netto im Laden keinen Cent mehr für ihre Brötchen verlangen. Ein guter Grund, auch dort nicht mehr einzukaufen.
Update: Wallraff erzählt im Interview mit der Zeit vom 8. Mai 2008 über Reaktionen auf seine Reportage.
Gespeichert unter Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 0 Kommentar
Nominierte 2/4: Sabine Rückerts böses Tessin
1. April 2008
Sabine Rückert wurde für ihre Reportage “Wie das Böse nach Tessin kam” am 19. März 2008 für den Egon Erwin Kisch-Preis nominiert. Der Text erschien am 21.06.2007 in der Zeit. Rückert war 2002 schon einmal für denselben Preis nominiert, sie gewann damals den zweiten Platz.
Das böse Tessin befindet sich in Mecklenburg. Hingekommen ist das Böse mit einem Doppelmord. Der 17-jährige Felix ersticht (mit Hilfe des gleichaltrigen Torben, über den man im weiteren Verlauf praktisch nichts erfährt) am Abend des 13. Januar 2007 mit mehreren Messern ein benachbartes Ehepaar. Felix ist ein erfolgreicher Gymnasiast, ein “wohlerzogener Sohn, der jedermann höflich grüsste”. Die Tat löst Unverständnis aus. Wie konnte so etwas passieren?
Sabine Rückert kommt einer Antwort nahe. Sie tut dies ohne Kontakt zum Täter. Auskunft geben der Vater von Felix, ehemaliger Vorsitzende des Betriebsrates im Zeit-Verlag, die Mutter von Felix, Marionettenspielerin, Felix’ jüngere Schwester Jana und deren Freundin Eyleen (die meisten Quellen lassen sich nur indirekt erschliessen). Ausserdem gibt es die Aufzeichnung eines Polizeinotrufs, ein Tagebuch und eine Loseblattsammlung mit Zeichnungen, Texten.
Der Text stellt Nähe her, indem praktisch alle Ereignisse im Indikativ - in der berichteten Rede, stellenweise als wörtliche Zitate - erzählt werden. Nur ganz selten wird eingestreut, wer da spricht. Auch offensichtlich rekonstruierte Stellen kommen als konsequente Szenen ohne Relativierung daher (sorry, die Dramatik verbietet eigentlich eine so formalistische Betrachtung - aber trotzdem):
“Als Antje E. röchelnd in ihrem Blut liegt, schickt Felix den Freund Torben los: Er soll die Geisel aus dem Schuppen holen. Eyleen soll sich das angerichtet Unheil genau ansehen, dann wird sie wohl auföhren zu grinsen, dann wird sie erkennen, dass die Welt Grund hat, sich vor Felix zu fürchten. [...] Dann sticht er Antje E. noch einmal heftig in den Kopf, während das Mädchen sich abwendet. Und sich aufrichtend, fragt er sie: Glaubst dus jetzt?”
Kurz vor der Tat hatten sich die Jugendlichen den Film Final Fantasy VII angesehen, die filmische Fortsetzung eines Videospiels. Auf seine PlayStation spielte Felix auch Spiele wie Doom oder Prey. Stundenlang. Worum es dabei geht?
“Um ihr Leben wimmernde Männer und Frauen werden vor meinen Augen von einer speziellen Menschenvernichtungsmaschine aufgespießt und zerquetscht, wahnsinnige kleine Kinder zerfetzen und durchbohren einander. [...] Die rechte [Hand] ist blutbesudelt und hält einen blutverkrusteten Schraubenschlüssel, mit dem ich auf alles einhacke, was sich rührt. Meine Gegner zerplatzen, die Organe treten aus. Manchmal treffe ich hilflos umherirrende Personen, die den Außerirdischen entkommen sind. Halb nackt sind sie und vor Angst halb verrückt. ‘Ist besser für dich’, lässt der Computer mich sagen, wenn ich ihnen mit dem Schraubenschlüssel den Schädel zertrümmere. “
Sabine Rückert versucht keine Expertendiskussion darüber abzuhandeln, ob und wie Videospiele Gewalt auslösen (der Sachverständigen-Gutacheter des Gerichts wird nur via Eltern zitiert). Sie appelliert stattdessen an den gesunden Menschenverstand: “Man braucht kein Jugendpsychiater zu sein, um die Wirkung solcher Spiele auf unausgereifte Seelen zu erfassen.”
Die Reportage ist keine intellektuelle Analyse. Sie ist ein Versuch, zu erklären, Verständnis herzustellen ohne Identifikation. Sie ist eine Anklage. Das ist Sabine Rückert hervorragend gelungen.
Einziger Patzer ist der Anfang, wo es in einer Szene heisst: “…man raucht eine Zigarette und weiss beim Anstecken noch nicht, dass es die letzte sein wird”. Man denkt natürlich, wer hier raucht sei das Opfer. Sicher wir der Leser bewusst irregeführt - doch jener, der in dieser Szene raucht - es ist der Vater von Felix - hat da keineswegs seine letzte Zigarette geraucht, er wird vielmehr später zum Kettenraucher. Das Rätsel soll wohl Spannung erzeugen - geht schliesslich aber nicht auf.
Wenig überzeugt mich auch der gesucht bedeutungsschwangere Schluss: “Er [gemeint ist Felix] hat Menschen das Leben genommen. Und diese Erfahrung ist nichts wert. Einfach nur nichts.”
Gespeichert unter Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 1 Kommentar
Nominierte 1/4: Jürgen Leinemanns verflixtes 70. Jahr
22. March 2008
Die Jury des Henri Nannen-Preises hat “Das verflixte 70. Jahr” von Jürgen Leinemann für die Kategorie “Reportage” (d.h. für den Egon Erwin Kisch-Preis) nominiert. Von den insgesamt vier Nominationen in dieser Kategorie ist dies zweifellos die kontroverseste. Dass dies auch in der Jury so gewesen sein dürfte, ist daran abzulesen, dass zum ersten Mal überhaupt vier statt drei Beiträge ausgewählt wurden.
Jürgen Leinemann war 35 Jahre lang Journalist beim Spiegel, bis er Anfang 2007, wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag, in den Ruhestand trat und kurz darauf an einem lebensbedrohenden Zungenkrebs erkrankte.
Wie der Titel vermuten lässt, ist Leinemanns Text autobiographisch. Er ist gut geschrieben und man wünschte, die Nominierung habe die Kraft, Krankheit - ja gar den Tod - zu verscheuchen. Doch die Frage ist: kann man ihn als Reportage lesen?
Natürlich haben Reportagen fast zwangsläufig einen autobiografischen Anteil indem sie dokumentieren, was ihr Autor erlebt hat. Es steht nirgends geschrieben, wie gross dieser Anteil sein darf, wie gross er sein muss.
Es gibt Reportagen, in denen macht sich der Autor fast unsichtbar. Er taucht ein in seinen oder seine Protagonistin, schildert von dem Material nur, was diese gesehen, erlebt haben kann.
Und es gibt Reportagen, in denen ist der Autor selbst der Protagonist, der im Zentrum steht. Dass dies nicht immer funktioniert, kommentiert Tom Wolfe (The New Journalism, 1973) am Beispiel von Norman Mailer. Dieser hatte die autobiografische Methode erfolgreich bei seinem “Marsch aufs Pentagon” (The Armies of the Night, 1968) angewandt, scheiterte jedoch (nach Ansichts Wolfes) kläglich beim Versuch, auch die erste Mondlandung (Of a Fire on the Moon, 1970) in dieser Art zu inszenieren:
“Why did it fail so badly? Because this time he was not, in fact, a leading character in the event, and his use of an autobiographical point of view merely set up a clumsy and tedious distraction in the foreground, viz., himself.”
Scheitert Jürgen Leinemann? Nicht als Erzähler. Die kleinen Dialoge mit dem stürmischen Dr. W. beispielsweise sind hervorragend:
“Eher beiläufig teilt er mir mit: ‘Sie müssen operiert werden.’
‘Wann?’, frage ich. ‘ Jetzt’, sagt er. ‘Jetzt? Was heisst das?’ ‘Jetzt heisst sofort.’[...]
Als die silberne Lifttür zugeglitten ist, sehen wir uns zum ersten mal an. ‘Und wer operiert mich jetzt?’, will ich wissen. ‘Ich’, sagt er.
Wie lange so eine Fahrstuhlreise über sechzehn Etagen sein kann. Dr. W. blickt mich an. ‘Schöne Scheisse, was?’ Mir treten die Tränen in die Augen, ich nicke. Er drückt mir die Hand: ‘Ich werde mein Bestes tun, das kriegen wir schon hin.’ Er sieht mir in die Augen, und ich glaube ihm. Vertrauen kann sehr plötzlich entstehen.”
Trotzdem wird auch gerade an dieser Stelle eine Schwäche sichtbar: Jürgen Leinemann schreibt aus der Ich-Perspektive, aber er behandelt sich nicht wie eine Figur, die charakterisiert, entwickelt, inszeniert werden muss. Darum bleibt er selbst in dem Text merkwürdig blass. Oder sollte dies beabsichtigt sein? Ausdruckt von Bescheidenheit, von Demut (der Text nimmt gegen Ende eine religiöse Wende)?
Aber wie passen dann Passagen ins Bild, bei denen Leinemann seinen Abschied beim Spiegel mit sämtlichen Namen des politischen Who is who Deutschlands schmückt, angefangen bei Richard von Weizsächer über Gerhard Schörder bis Angela Merkel?
Doch zurück zur Ausgangsfrage nach der Textgattung. Lesen wir hier eine Reportage? Wenn es eine wäre, wovon handelte sie? Von Alter, Krankheit, Schmerz, von Glauben, von Tod könnte man argumentieren, doch wäre dies ein Vorwand. Der Text handelt von Jürgen Leinemann. Und das darf er auch.
Jürgen Leinemann hat einen Ausschnitt aus seiner Lebensgeschichte erzählt. Und er bedient sich Mitteln, die zum Repertoire auch - aber keineswegs nur - der Reportage gehören: Zitate, Dialoge, Ortsbeschreibungen, Subjektivität, Perspektive, Stimmungsbilder, etc. Man gratuliert ihm gerne dazu. Doch für den Egon Erwin Kisch-Preis gehört er nicht nominiert.
Gespeichert unter Der Spiegel, Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 2 Kommentare
Blaue Augen in Mügeln
29. October 2007
Am 19. August 2007 kommt es im sächsischen Mügeln zu einer Schlägerei. Acht Inder werden von einem aggressiven Mob verfolgt. Rechtsextreme rufen “Ausländer raus” und auch “Hier regiert der nationale Widerstand”. Kai Biermann schreibt in der Zeit kurz darauf eine Reportage. Im Oktober 2007 war Biermann abermals in Mügeln, zusammen mit der Antirassismus-Trainerin Manuela Ritz. Titel dieser Reportage: “Wer schweigt, scheint zuzustimmen“.
Formal ist der Text keine Glanzleistung. Es gibt nur zwei Szenen: eine als Einstieg (Manuela Ritz steht vor dem Mügelner Kinderheim, in das ihre Mutter sie einst eingeliefert hatte) und eine halbe als es darum geht, das Antirassismustraining zu beschreiben. Die aus Amerika übernommene Methode heisst blue-eyed und funktionerte im konkreten Fall so:
Die Klasse 9a der Goethe-Schule wird in Blauaugen und Braunaugen eingeteilt, wobei die Braunaugen Privilegien geniessen, die Blauaugen dagegen von den drei erwachsenen Trainern willkürlich diskriminiert und getrietzt werden. Die Braunaugen dürfen mitmachen, zuschauen oder sich für ihre Mitschüler wehren. Am Schluss werden die Erfahrungen von Diskriminierten und Privilegierten besprochen.
Der Text hat nur eine echte Protagonistin (Manuela Ritz), die nur oberflächlich porträtiert wird (eine gute Beobachtung, die aber nicht als Gegenbeweis genügt: “Sie geht durch die Straßen, eine kleine, aufrechte Frau mit stacheligen Dreadlocks und geradem Blick”).
Trotzdem ist “Wer schweigt, scheint zuzustimmen” eine lohnende Reportage. Hervorragend gefällt mir Kai Biermanns Herangehensweise. Ein Thema wurde in den nationalen Medien hundertfach breitgeschlagen (hier nur die Ergebnisse auf Spiegel Online). Das tönte ungefähr so:
“Unter Nazi-Parolen soll ein rasender Mob am Wochenende acht Inder durch das sächsische Mügeln gehetzt haben”
“‘Die Inder haben angefangen’, sagt Nils Zahsowk, 20, Vorsitzender des Mügelner Jugendclubs.”
“Die Behörden in Mügeln hatten Hinweise, dass Neonazis das Volksfest besuchen wollten.”
“Die Angriffe auf acht ihrer Landsleute im sächsischen Mügeln haben viele Inder beunruhigt.”
“Knapp zwei Wochen nach der Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen zwölf Tatverdächtige.”
“Mehr als hundert Zeugen haben sie vernommen - doch noch immer haben die Ermittler kein klares Bild, warum das Stadtfest in Mügeln vor rund einem Monat in einem Gewaltexzess endete.”
“Zwei Monate nach den Übergriffen auf acht Inder im sächsischen Mügeln hat die Staatsanwaltschaft Leipzig zwei Männer angeklagt.”
Die Berichte gehen reihum zur Polizei, zu Augenzeugen, zum Bürgermeister, zu den Opfern, den Tätern, der Staatsanwaltschaft, zu den gewöhnlichen Bürgern, etc.
Und endlich kommt nun einer, der versucht zu den Ursachen vorzustossen und vielleicht sogar eine Therapie zu insinuieren (über dieses Thema gibt es bei der Zeit eine lange Diskussion). Und er tut das nicht abstrakt mit Expertenwissen, sondern vor Ort. Mit einer selbst von Rassismus Betroffenen (Manuela Ritz’ Vater ein kenianischer Austauschstudent).
Engagierter Journalismus, den ich gerne lese.
Gespeichert unter Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 2 Kommentare
Biedere Bohrinsel
28. September 2007
Der Reporter David Hugendick besucht die Bohrinsel Mittelplate in der Nordsee. Sein Text mit dem Titel “Ölrausch im Watt” ist in der Zeit vom 26. September 2007 zu lesen.
Ölrausch - was für ein irreführender Titel! In dieser Reportage gibt es keinen Rausch (auch nicht im wörtlichen Sinne - siehe weiter unten) und kaum Öl. Hier die einzige ölige Stelle, die ich finden konnte:
“Rauchen ist nur in der ‘Schweinebox’ erlaubt, einer kleinen Kammer neben der Tür zum stickigen Bohrkeller. Dort strömt das 60 Grad heiße Öl aus der Tiefe.”
(Warum ausgerechnet hier geraucht werden darf, ist mir ein Rätsel - doch das nur am Rande). Am ehesten gibt es Öl in diesem Text als ätherische Essenz:
“Stahl, Stahl, Stahl, wohin man schaut. Rohre winden sich, Metalltreppen schmiegen sich an Container, wuchtige Muttern ragen aus Ecken hervor, und von oben brummt das Bohrgestänge. Süßlicher Öldunst beschwert die Seeluft.”
Statt eines schmutzigen, verschmierten und lärmenden Kolosses dies:
“Blumen stehen auf dem Empfangstresen, das helle Linoleum gemahnt an ein Hotelfoyer.”
Man trägt Filzpantoffeln. Und am Donnerstag gibts “Eisparty von 20.45 – 21.15″. Keinen Alkohol und anspruchslose Hausmannskost.
“Leise Musik dudelt in der Kantine. Es riecht nach Schmorbraten, Bratkartoffeln und Spülmaschinendampf. Männer in blauen Anzügen laden sich ihre Teller voll und stellen sie auf die Plastiktischdecken. Schichtende. Wenige reden, die meisten sind geschafft. Alleine sitzt Daniel Francke [ein mitreisender Elektriker] da und guckt auf ein [...] Bild an der Wand.”
Der Kontrast zwischen meinen Vorstellungen einer Ölplattform und dem Berichteten könnte grösser nicht sein. Was gibt es Schöneres, als Vorurteile über den Haufen zu werfen! Doch es scheint, als habe der Autor die Einladung gar nicht bemerkt. Die kleinen Detailbeschreibungen sprechen zwar ganz getreu von dieser biederen, aseptischen Flughafenatmosphäre, die auf Mittelplate offenbar herrscht. Doch sie wirken zufällig, ertrinken fast in den vielen Zahlen über Ausmasse, Fördermengen, Bohrtiefe, Ölpreise, Investitionskosten, etc.
Die Zitate - ganz besonders der aufgefangene Dialog - wirken zudem künstlich:
“‘In welcher Zeit sind wir?’, fragt Bohrmeister Mahn.
‘Das Gestein? Kreide, glaub ich’, antwortet ein Kollege.
‘Wann sind noch mal die Dinosaurier ausgestorben?’
‘Vor 100 Millionen Jahren, Hartmut?’
‘Wir haben in der Kreidezeit doch mal einen Knochen gefunden, oder?’ Der Bohrmeister lacht. “
Sprechen diese Menschen wirklich so? Oder posieren sie vor dem Reporter?
Insgesamt - obwohl gut beobachtet und nicht schlecht geschrieben: eine verpasste Chance!
Gespeichert unter Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 0 Kommentar
Familie Bokassa
6. September 2007
Der Artikel wird im Zeit-Magazin Leben angekündigt als “erste von vier Reportagen über ‘Globale Familien’”. Auf dem Titelbild sieht man Jean-Bédel Bokassa auf einem vier Meter hohen Thron sitzen, einem vergoldeten Greifvogel. Papa Bokassa regierte die Zentralafrikanische Republik von 1966 bis 1979. Der Freund von Idi Amin stand wegen Kanibalismus und anderen Verbrechen vor Gericht. Nach einer Amnestie kam er frei und starb vor elf Jahren friedlich bei sich zu Hause in Bangui.
Papa Bokassa zeugte dutzende Nachkommen - wie viele weiss niemand genau. Ihnen ist Stefan Willekes Reportage “Des Kaisers viele Kinder” gewidmet. Im Zentrum steht Sohn Jean-Serge Bokassa, den er in Bangui besucht:
“Das Erste, was man von Bokassa sieht, sind seine Assistenten. ‘Geben Sie mir Ihren Pass’, sagt einer, der sich Protokollchef nennt. ‘Er wartet hinten im Ehrensaal’, sagt ein anderer, ‘wo ist Ihr Koffer?’ Auf dem Gepäckband im Flughafen von Bangui drehen sich die Metallkisten mit den Jagdgewehren von Franzosen und Belgiern [...].”
So fängt Willeke an. Was folgt ist eine bei flüchtigem Lesen verwirrende Verflechtung von Portrait-Elementen über Jean-Serge Bokassa (”Seine Worte klingen weich und rund. Vorsichtig lächelt er”), flüchtigen Eindrücken der Stadt Bangui und anderer Reiseziele (”vorbei an winkende Jungen, die echte Handykarten und falsche Pässe anbieten”) , Rückblicke auf die Regierungsjahre Jean-Bédel Bokassas (”Er [der Sohn Jean-Serge] sagte nicht, dass Papa seinen Thron mit Hermelinfellen polstern liess”), ein Besuch bei Jean-Barthélémy Bokassa in Paris (”Er braucht Stoff für seine nächste Episode, in seinem Weblog“), bei Martine Bokassa auf Korsika (”[ihr] erster Ehemann wurde von Männern getötet, die ihren Vater stürzen wollten.”), eine Konversation mit Kiki Bokassa in Beirut.
Verwirrung als Stilmittel ist riskant, aber hier ist sie geglückt. Die Familie Bokassa tritt mit individuellen unterscheidbaren Gesichtern auf. Doch beim Lesen bringt man Namen, Verwandtschaftsbeziehungen, Generationen und Orte immer wieder durcheinander. Es entsteht das Bild von einem Kollektiv. Zugespitzt wird diese Verwirrung selbst Thema in dieser Szene bei einem Besuch in Kolongo:
“Hier stand früher eine Villa des Herrschers. Romeo und Julia hießen die beiden Löwen, die der Kaiser mit Regimegegnern fütterte. ‘Das erzählen sich die Leute, aber ich habe davon nichts mitbekommen’, sagt der Sohn.
In einer überwucherten Ruine baut sich Jean-Serge Bokassa unter dem Deckengemälde eines napoleonischen Adlers auf. Scharen von Kindern sammeln sich um ihn, aber keines von ihnen wagt, die Stille durch ein vorlautes Wort zu gefährden, bis es der vornehme Herr von sich aus tut. ‘Ich bin Jean-Serge Bokassa.’ Die Kinder sehen ihn staunend an. Woher sollen sie ihn kennen? Sein Vater war schon tot, als sie geboren wurden. [...] ‘Ich bin Bokassa’, sagt er, und das ist das Einzige, was er den Kindern mitgibt, einen interessanten Namen.
Als er drei Tage später dorthin zurückkehrt, rennen ihm die Kinder schon entgegen. [...] Die Kinder haben die Nachricht zu den Erwachsenen gebracht: Ein Mann mit dem Namen Bokassa war hier, genau unter dem Adler. Alles wirbelt jetzt wild durcheinander, das Gestern und das Heute, hundert Hände greifen nach Bokassa, und einem alten Mann aus der Siedlung wird vor Aufregung schwindlig. Selig krächzt er: ‘Der Kaiser ist zurück.’”
Den Abschluss macht Willeke mit einer Reihe von Statements von zentralen Figuren, womit er diese nochmals Revue passieren lässt :
“‘Er macht langsam, was Papa schnell machte’, sagt seine Schwester auf Korsika, ‘er macht politisch, was Papa militärisch machte.’ ‘Sein Vater war beispiellos’, sagt der weisse Geschichtenerzähler in Paris, ‘aber auch er ist schon sehr gut.’ ‘Er hat mir geschrieben, er plane etwas Wichtiges’, sagt seine Schwester in Beirut, ‘aber ich weiss nicht, was.’”
Und ganz zuletzt spricht nochmals wie am Anfang ein Assistent:
“‘Ich schlage vor, wir einigen uns jetzt auf 200 Dollar’, sagt sein Kommunikationsberater. “
Stefan Willeke hat bereits zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis gewonnen. 2003 mit “Der Herr der Pleiten” und 2005 mit “Herr Mo holt die Fabrik“.
Gespeichert unter Ausland, Die Zeit, Gesellschaft, Reportage | | 0 Kommentar
Wallraff ist zurück
27. July 2007
Von 1983 bis 1985 nannte Günter Wallraff sich “Ali” und arbeitete bei verschiedenen Grossunternehmen in Deutschland. In dem Buch “Ganz unten” beschrieb er später die haarsträubenden Bedingungen und Schikanen, die ihm, dem vermeintlichen Türken, widerfahren waren.
2007 hat Wallraff - nach einer längeren Pause - wieder in dieselbe Trickkiste gegriffen:
“Ich trage falsche Haare, Kontaktlinsen, habe meinen Schnauzbart abrasiert, und das Marathontraining des vergangenen Jahres hat mich zusätzlich verjüngt. Ich bin 49 und heisse von nun an Michael G.”
Seine verdeckte Recherche bei zwei Callcentern ist am 24. Mai 2007 in der ersten Nummer des ZEITmagazins Leben erschienen unter dem Titel “Günter Wallraff ist zurück“. Die Reportage löste ein enormes Echo aus (schier unglaubliche 108′000 Treffer für die Suchbegriffe wallraff+callcenter bei Google).
Im neusten ZEITmagazin Leben legt Wallraff nochmals nach (der Artikel ist online nicht erhältlich). Er gibt Berichte wieder von Callcenter-Angestellten, die sich ihm anvertraut hätten und er recherchiert - ganz konventionell - die Praktiken von einigen Marktführern (um sich gegen den Vorwurf zu wehren, er habe halt bei den zwei Unternehmen, in denen er verdeckt recherchierte gerade zufällig zwei schwarze Schafe erwischt). Zum Schluss plädiert Wallraff für eine Verbot, “ungebetene Verträge am Telefon abzuschliessen”.
Weil es das Reportagenblog damals noch nicht gab, und weil die Aktualität durchaus immer noch gegeben ist, hier noch etwas mehr aus und zur Hauptgeschichte vom Mai 2007. Nach einem kurzen Abriss über die Branche schreibt Wallraff dort:
“Ich will zu CallOn, dem zweitgrössten Vermarkter von Lotterielosen in Deutschland. [...] Zu diesem Zweck habe ich mich auf eine Anzeige in einer Regionalzeitung gemeldet. Zwei Tage später werde ich in den Köln-Turm einbestellt, wir sind ein Dutzend Bewerber.”
Wallraff besteht das Vorstellungsgespräch (”Der Teamchef prüft, ob wir gewandt oder stockend reden”) und darf zu einem Tag unbezahlter Probearbeit kommen. Nach kurzer Instruktion tätigt er die ersten Anrufe:
“Ein älterer Man klagt: ‘Ich lebe von Hartz IV. Wissen Sie, die zwölf Euro bräuchte ich dringend, aber zum Leben.’ - ‘Dann entschuldigen Sie bitte die Störung’, sage ich, ‘es tut mir aufrichtig leid.’ Der Coach reagiert verärgert: ‘Da hast du ja einen Sentimentalen hingelegt!’. Als ich ihm den Fall schildere, sagt er nur: ‘Ihr braucht hier keine Gewissensbisse zu haben. Euer Gewissen könnt ihr zu Hause lassen!’”
Wallraff gelingt - kaum verwunderlich - kein einziger Verkaufsabschluss und sein Engagement bei CallOn ist damit beendet. Während das Personal bei CallOn (ein Teamleiter, ein Instruktor, ein Coach und Frank, “ein Vollprofi”) zwar durchwegs schlecht wegkommt und beim Verbreiten von Unwahrheiten beobachtet wird bzw. beim Einfuchsen amoralischer Tricks, so beginnt das wahre Bestiarium doch erst beim nächsten Callcenter. Den Tipp, sich bei ZIU-International zu bewerben, bekommt Wallraff von einer Arbeitskollegin, die früher dort gearbeitet hatte:
“Mein Job soll es sein, Auszüge des Jugendschutzgesetzes an Kneipiers, Wirte und Imbissbudenbesitezr zu verkaufen. Das Papier mit dem aktuellen Jugendschutzgesetz wird von ZIU in einen Ikea-Rahmen gesteckt, der 4,50 Euro kostet, und per Barnachnahme für 69 Euro an den Käufer geschickt. Dass man sich den Text im Internet kostenlos herunterladen kann, wissen die wenigsten Wirte.”
In Wallraffs Team gibt es zunächst den Leiter Murat. Am Apparat tönt der so:
“‘Ich rufe im Auftrag des Deutschen Jugenschutzes an. Jetzt gehe Sie erst mal nachschauen, von wann Ihre Jugendschutztafel überhaupt ist’, ordnet er an und zwinkert mir dabei zu. [...] ‘Wenn das Ordnungsamt kommt, zahlen Sie 300 Euro Strafe. Versehen Sie, das sind Gesetze, Pflicht. Wir kommen sonst mit dem Ordnungsamt vorbei.’”
Weiter ist da Clarissa, sie zieht es vor, “ihre Verkaufsgespräche unter einem Tarnnamen zu führen. “Ich habe de Namen der Frau angenommen, die ich am meisten hasse”.
Und schliesslich ist da noch Manuela, “die Dienstälteste”:
“‘Haben Sie denn irgendetwas zu verbergen? …Weil wir uns nicht in der Dritten Welt befinden, sondern in Deutschland. Auch Sie müssen lernen, wie man sich in Deutschland verhält. Haben Sie was zum Schreiben in der Hand? Können sie überhaupt schreiben?! …’”
Dann, am zweiten Arbeitstag muss Wallraff seinen bequemen Beobachterposten aufgeben und sich selber die Finger schmutzig machen:
“Dann gibt mir der Teamleiter zu verstehen: ‘Jetzt mach endlich mal ‘n Abschluss. Geh an die Ausländer ran!’ Mein Selbstversuch führt nun zu einer mir selbst unheimlichen Persönlichkeitsveränderung: Um dazugehören, muss ich vom Mitspieler zum Mittäter werden. Nach dem ersten Erfolg gratulieren mir der Chef und der Teamleiter, die anderen applaudieren. Ich bin aufgenommen in die Betrugsfamilie.”
Hier ist der eigentliche Wendepunkt der Reportage. Weiter kann und will Wallraff nicht gehen, am nächsten Tag entschuldigt er sich mit einem Zahnarzttermin und haut ab. Drei Tage Callcenter-Agent gegenüber zwei Jahren als türkischem Gastarbeiter. Ist diese Rolle so viel schwieriger auszuhalten? Dabei hatte Wallraff wenige Absätze vor dieser Stelle schon für Verständnis werben lassen:
“Es seien oft Verzweifelte, die über lange Zeit arbeitslos gewesen seine und sich an den letzten Strohhalm klammerten. Die nun am Telefon Energie und gute Laune versprühen müssten, obwohl es ihnen dreckig gehe.”
Damit lassen sich die verschiedenen Richtungen aufzeige, welche Wallraffs Callcenter-Reportage hätte nehmen können:
- Skandal um eine schmutzige Branche. In diese Richtung geht der Nachtrag im neusten ZEITmagazin Leben (siehe ganz oben). Die ursprüngliche Reportage belegt diese These mit zwei Firmen und drei Tagen Recherche allerdings nur mangelhaft.
- Warnung vor den bösen Abzockern. Diese Geschichte ist erstens zur genüge bekannt, und es fehlt zweitens auch ein eigentlicher Service-Teil, der erklären würde, wie man sich vor den Machenschaften schützen kann. Die Opfer kommen in der Geschichte auch lediglich als Anekdoten vor - ich identifiziere mich kaum.
- Psychogramm eines Callcenter-Agenten. Diese Variante hätte ich eigentlich am liebsten gelesen. Dazu geht Wallraff selbst allerdings zu wenig weit und er lässt auch zu viele Protagonisten auftreten, um dem Seelenzustand eines Telefonverkäufers mit Porträt-Techniken echt näher zu kommen.
Was bleibt? Ein engagierter, gut geschriebener Text mit Appetit auf mehr. Einen direkten Einblick gibt übrigens der Callcenter Agent.
Gespeichert unter Die Zeit, Gesellschaft | | 2 Kommentare